19. Februar 2010
Call fotr Papers: Sektionsveranstaltung der Sektion “Soziologie der Kindheit” auf dem 35. Kongress der DGS in Frankfurt/Main
Der Call for Papers zur Sektionsveranstaltung “Kindheit – Heterogenität – Ungleichheit:
Prozesse der Exklusion und Inklusion im Migrationskontext” steht Ihnen als PDF zum Download zur Verfügung.
Call For Papers : Gemeinsames Plenum der Sektionen “Soziologie der Kindheit” und “Bildungssoziologie” auf dem 35. Kongress der DGS in Frankfurt/Main
35. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
„Transnationale Vergesellschaftungen“ – Call for Papers
Plenum: Bildung und Aufwachsen zwischen internationalen Standards und lokalen
Konstellationen
Sektionen „Bildung und Erziehung“ und „Soziologie der Kindheit“
Die Schule und die Universität sind zentrale Institutionen der modernen Gesellschaft, und beide Institutionen sind inzwischen weltweit verbreitet. Indem sie bestimmte – explizite wie implizite – Standards für das setzen, was als Bildung, als Wissen, als legitimer Zugang zur Auseinandersetzung mit der Welt gilt, transportieren sowohl die Schule als auch die Universität ein doppeltes Versprechen: das Versprechen der Integration des Individuums in die – zunächst national gedachte – Gesellschaft, aber auch das Versprechen der Differenz und der Distinktion. Die in die moderne Gesellschaft eingelassenen Achsen der Ungleichheit und der Herrschaft sind gewissermaßen „angedockt“ an die mit dem Besuch von Schulen und Universitäten verbundenen Differenzierungsmöglichkeiten nach dem Wert der Bildungszertifikate auf dem Arbeitsmarkt, der Exklusivität der Institution und der gesellschaftlichen Anerkennung des jeweils zu erwerbenden „Wissens“. Auch wenn man annehmen kann, dass mit den Institutionen der Schule und der Universität
schon seit langem universalistische Konzepte von Bildung und Wissen, von Individualität und gesellschaftlicher Teilhabe ebenso wie gesellschaftlicher Teilung Geltung erhielten, so ist doch im letzten Jahrzehnt eine verstärkte Entwicklung zur Durchsetzung explizit als solcher definierter internationaler Standards der Bildung und des Aufwachsens zu konstatieren. Dabei geht es nicht nur um das Bildungswesen im engeren Sinn, sondern umfassender auch um die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen, die mehr und mehr unter dem Gesichtspunkt der „sozialen Investition“ eines Landes in seine Zukunft gesehen werden. Diese Entwicklung geht einher mit dem raschen Anwachsen von Messungen und Reports, dem Schaffen eines neuen Wissenskorpus mit teilweise eigener Terminologie, eigenen Sets von Indikatoren und eigenen Weisen der Aufbereitung des Wissens in Rangtabellen von Errungenschaften und Defiziten (League Tables oder Report Cards) – für Nationen oder auch für Bundesländer. Auch Messungen zur Lebensqualität von Kindern/Jugendlichen erfassen vielfach Indikatoren, die letztlich als Voraussetzungen von Bildungschancen und -erfolg gelten können. Die öffentliche Beachtung dieser Messergebnisse verstärkt den Druck auf die nationalen Regierungen, den publizierten Ergebnissen dieser Ranglisten und Messungen irgendwie Rechnung zu tragen. Damit werden auch die in diese Prozesse eingelagerten normativen Vorstellungen von staatlichem, evtl. sozialpolitischem Handeln und von Bildung als einem öffentlichen bzw. auf Märkten zu erwerbenden Gut über die Staaten und die dort geregelten demokratischen Entscheidungsprozesse hinweg zu Richtlinien des politischen Handelns. Betrachtet man das reale Geschehen in den Institutionen der Bildung – von der Früherziehung bis zur Hochschule -, so ist festzustellen, dass die Realisierung von transnationalen Bildungskonzepten eine recht komplexe Angelegenheit ist. Die vorgeblich internationalen Standards und Vorgaben verbinden sich offensichtlich in der Regel mit lokalen Elementen zu etwas ganz Eigenem – wobei dennoch universalistische Prinzipien zur Geltung kommen können, wenn auch eher implizit und erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Wie dies zustande kommt, wie das Spannungsverhältnis von Globalität und Lokalität die Institutionen der Bildung und des Aufwachsens transformiert, wäre genauer zu untersuchen, ebenso wie zu klären wäre, welches eigentlich die universalistischen Elemente moderner Bildungs- und Sozialisationskonzepte und –institutionen tatsächlich sind. Dabei ergibt sich eine ganze Reihe von Fragen, von denen hier nur einige exemplarisch angeführt werden sollen:
- Wer sind eigentlich die Akteure in diesen Prozessen der Erarbeitung und Durchsetzung internationaler Bildungskonzepte und Bildungsstandards? Wie sind die Institutionalisierungsprozesse zu beschreiben? Kann man Prozesse der Globalisierung von Bildungskonzepten danach unterscheiden, ob sie „von oben“, von internationalern Instanzen, oder „von unten“ z.B. durch Migranten, in Gang gesetzt werden?
- Welche neuen Standards von Aufwachsen und Bildungserwerb kristallisieren sich im Zusammenwirken welcher Akteure (national, international, regional, lokal) heraus? Sind die neuen Standards dann eher globale oder doch eher nationale/lokale?
- Zu fragen wäre auch nach den sozialen Bedingungen des Aufwachsens und nach den Sozialisationsvorstellungen und –praktiken, die sich im Zusammenspiel (oder Gegeneinander) von kulturellen Partikularitäten und globalen Vorgaben entwickeln.
- Was bedeutet die Durchsetzung globaler Bildungsstandards in einem spezifischen nationalen Kontext für die Realisierung von citizenship und demokratischer Teilhabe?
- Verändern sich durch verstärkte Internationalisierung von Bildungs und Sozialisationskonzepten und möglicherweise auch von entsprechenden Institutionen die Modalitäten der Formierung von Eliten und herrschenden Klassen? Bilden sich evtl. transnationale herrschende Klassen heraus? Und was bedeutet die Internationalisierung von Bildungskonzepten und Vorgaben für gute Kindheiten für Bevölkerungsgruppen, die nach diesen Standards von Bildungsarmut betroffen sind resp. nach den neuen internationalen Maßstäben und Messungen nsgesamt schlechte Bedingungen des Aufwachsens anbieten?
Erwünscht sind sowohl Beiträge, die sich mit der hier aufgeworfenen Problematik theoretisch auseinander setzen, als auch solche, die dazu empirische Ergebnisse beisteuern können. Wünschenswert wären auch Beiträge, die das Thema bzw. spezifische Fragestellungen in einer historischen Perspektive diskutieren oder im Ländervergleich untersuchen.
Juroren/-in
Prof. emerit. Dr. Dr. h. c. mult. Helmut Fend ; Neuhauserstr. 6, 78484 Konstanz,
Helmut.Fend@t-online.de
Prof. Dr. Heiner Meulemann, Universität zu Köln, Forschungsinstitut für Soziologie (FIS),
Greinstr. 2, 50939 Köln, meulemann@wiso.uni-koeln.de
Kontakte:
Sektion „Soziologie der Kindheit“
Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger
Universität Wuppertal
Fachbereich G „Bildungs- und Sozialwissenschaften“
Gaußstraße 20
42097 Wuppertal
buehler@uni-wuppertal.de
Sektion „Bildungssoziologie“
Prof. Dr. Beate Krais
Technische Universität Darmstadt
Institut für Soziologie
Residenzschloß
64283 Darmstadt
krais@ifs.tu-darmstadt.de
Prof. Dr. Wolfgang Lauterbach
Universität Potsdam
Humanwissenschaftliche Fakultät
Karl-Liebknecht Strasse 24,25
14476 Potsdam, Golm
Wolfgang.Lauterbach@uni-potsdam.de
26. Oktober 2009
CFP “Growing Up In Divided Societies”
GROWING UP IN DIVIDED SOCIETIES
JUNE 10th -11th 2010, QUEEN’S UNIVERSITY BELFAST
Call for Papers
2. März 2009
CfP - “Strukturwandel zu Metropolen? Organisation – Kultur – Produktion”
Erste Regionalkonferenz der DGS in der Metropolregion Ruhrgebiet, 28.9.-30.9.2009
Den CFP kann man hier downloaden: CfP_DGS_Regionalkonferenz.
18. Februar 2009
CfP in English and German
Hier können Sie sich den CfP für die Sektionsveranstaltung “European Childhood - Childhoods in Europe” herunterladen:
You may download the CfP for the conference “European Childhood - Childhoods in Europe” here:
10. Februar 2009
CFP Jahrestagung der Sektion 2009
European Childhood – Childhoods in Europe
Internationale Konferenz und Jahrestagung der Sektion „Soziologie der Kindheit“
in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
9. – 10. Oktober 2009
München, Deutsches Jugendinstitut
CALL FOR PAPERS
- Please find the Call in English here -
Das Muster moderner Kindheit – mit seinen zentralen strukturgebenden Parametern der Familialisierung, Scholarisierung, der Freistellung von Erwerbsarbeit und des Schutzes – ist keinesfalls ein national begrenztes Phänomen. Vielmehr ist es – wenn auch in unterschiedlichen Ausformungen – Grundbedingung einer modernen Sozialstruktur, Voraussetzung moderner Ökonomien sowie Kern von Kulturen, die „gute“ Bedingungen des Aufwachsens wertschätzen und damit Kindheit als Wert an sich hervorgebracht haben. Zugleich lässt sich dieses Muster in einer großen Zahl von Nationalstaaten in unterschiedlichem Maße empirisch nachweisen, und das nicht allein in Europa, sondern weltweit. Als drittes ist dieses Muster im weitesten Sinne normative Bezugsfolie für alle Gesellschaften, sowohl für nationalstaatliche als auch internationale Politiken und Programme. Damit ist keinesfalls unterstellt, dass sich beobachtbare Kindheiten weltweit gleichen. Manfred Liebel (2005) hat die große kulturelle Differenz von Kindheiten in Westeuropa und Lateinamerika exemplarisch anhand des Phänomens der Kinderarbeit herausgearbeitet. Und dennoch, Kindheit in Lateinamerika konstituiert sich trotz ihrer Andersartigkeit nicht in Abwesenheit westlicher Kindheitsvorstellungen. Nicht erst seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention vor 20 Jahren, aber seitdem verstärkt, verdichtet sich durch eine Vielzahl von internationalen Konventionen, Abkommen, Förderprogrammen und vergleichenden Studien (bspw. OECD; UNICEF; WHO; internationale Kindersozialberichterstattung) die normierte Sorge um die Lebens- und Förderbedingungen von Kindern. Nationale Politiken können diese internationale, an westlichen Normen orientierte Entwicklung nicht ungestraft vollständig umgehen. Vor allem in der Europäischen Union – im Sinne einer supranationalen Institution – scheinen solche Vergleiche auf erhebliche Resonanz zu stoßen. Es stellt sich die Frage, ob die normative Bezugsfolie, von der aus Kindheit normiert, strukturiert und reguliert wird, einheitlicher wird und ob sich damit eine bestimmte Kindheitssemantik weltweit durchsetzt.
In der Europäischen Union waren Kindheiten bisher weder in den Staaten selbst noch im Vergleich zwischen ihnen homogen, wenngleich das Muster moderner Kindheit als Differenzkonstrukt und als faktischer Handlungsrahmen (Schulpflicht, Verbot der Kinderarbeit; Volljährigkeit) überall durchgesetzt ist. So kann bspw. das Verbot der Kinderarbeit als EU-weit realisiert bezeichnet werden; beobachtbare Kinderarbeit hat keineswegs den existenzsichernden Stellenwert wie bspw. in einzelnen Staaten Lateinamerikas.
Unterschiede bestanden und bestehen hingegen vor allem in der Ausformung der Familialisierung: Während in allen Staaten der Europäischen Union die Familie der Ort der letztendlichen rechtlichen und moralischen Verantwortung, der Privatheit und Intimität gilt, ist die konkrete Ausgestaltung der Betreuung von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter ausgesprochen unterschiedlich. Die Vorstellungen des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern, die Legitimität von staatlichen Eingriffen in das Elternrecht, die Vorstellungen von einer guten Kindheit und die Betreuungs- und Pflegearrangements unterscheiden sich erheblich.
Ähnliches lässt sich zweitens in Bezug auf die Scholarisierung der Kindheit, also die Umsetzung der Schulpflicht, die Organisation des Wissenserwerbs und der Wissensvermittlung, feststellen. Auch hier bestehen große Unterschiede, die in einem hohen Maß mit der Ausformung nationaler Muster der Familialisierung verwoben sind.
Das Zusammenwachsen und vor allem auch die Ausweitung der Europäischen Union, die Öffnung von Arbeitsmärkten und die damit einhergehenden Lohndifferenzen, die ökonomischen Krisen und die gleichzeitigen Krisen traditioneller wohlfahrtsstaatlicher Modelle haben diese Differenz zwischen europäischen Kindheiten sowohl auf nationaler wie auch auf EU-Ebene zum Gegenstand von Diskussionen und vergleichender Beobachtung und letztendlich Kindheit zu einem Krisenphänomen werden lassen: zu viele arme Kinder, zu große gesundheitliche Risiken, zu wenig gut ausgebildete junge Menschen, zu riskante Übergänge ins Erwerbsleben, zu viele erwerbslose Mütter, die eine zu enge, gar falsche Bildung der Kinder verfolgen. Zunehmend mehr Aufmerksamkeit wird der Beobachtung und Analyse der unterschiedlichen Bedingungen und Formen der Betreuung, Bildung, Versorgung, Gesundheit und des Schutzes geschenkt. Verstärkt wird Zeit und Geld in die Entwicklung empirisch vergleichender Instrumente investiert und eine Vielzahl von Vergleichsstudien ist in den letzten Jahren erstellt worden. Damit geht gleichzeitig die sensiblere Wahrnehmung von Differenzen und unter Umständen auch die schärfere Formulierung von Differenzphänomenen als Problem einher. Eine der Antworten auf solche Definitionsprozesse kann in der auf der Ebene des Europarlaments und in einer ganzen Reihe von Staaten verfolgten „Child centred social investment stratgegy“ gesehen werden, die z.B. durch das Programm „Starting strong“ (OECD) verkörpert wird. Auch der Bologna Prozess, der Vertrag von Lissabon, die Barcelona Ziele antworten auf die Wahrnehmung von Differenz als Problem.
Historische Studien (Göran Therborn) zeigen, dass sich auf dem Gebiete der heutigen Europäischen Union nationale Programme für die nachwachsende Generation sowie und Rechtsentwicklungen nie unter vollständigem Ausschluss internationaler, europäischer Diskurse und Entwicklungen vollzogen haben. Neu an der aufgezeigten Entwicklung sind allerdings die rechtlich verbindlichen Regeln, die auf der Ebene der Europäischen Union getroffen wurden (z.B. Anhebung des Mindestalters für Erwerbsarbeit), sowie die Angleichung der Ausgangsregeln für nationale Entscheidungen (bspw. Bologna Prozess, Selbstverpflichtung der Länder zum Ausbau der Krippenplätze etc.).
Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen geht die Tagung der Frage nach, inwieweit EU-Politiken – also gesetzliche Regelungen wie Programme auf der einen Seite, sowie europaweite Diskurse und Vergleichsstudien, die wichtige Bezugspunkte der Politiken sind, auf der anderen Seite – dazu beitragen, nationale Kindheiten anzugleichen. Inwieweit sind nationale Kindheiten Angleichungsprozessen unterworfen, wenn bspw. biographische Übergänge lebenszeitlich international homogenisiert, institutionelle Betreuungs- und Bildungsarrangements konzeptionell ähnlich ausgerichtet, Bildungsunterschiede nicht nur zum individuellen, sondern zum nationalen Problem avanciert werden. Oder aber bleibt umgekehrt durch die spezifische nationalstaatliche Umsetzung in Politiken nach wie vor die Spezifik kultureller Kindheitsmuster erhalten? Bleiben also die Eigensinnigkeiten nationaler Kindheitsmuster trotz aller Entdifferenzierungsmaßnahmen und -bestrebungen, trotz gemeinsamer Programme, Selbstverpflichtungen, Verordnungen bestehen? Im Fokus der Tagung sollen insgesamt nicht allein die derzeit am häufigsten verhandelten Themen der frühkindlichen Bildung und Erziehung oder aber der schulischen Bildung stehen, sondern vielmehr der breite Rahmen kindbezogener Politiken, Programme und Diskurse (Kinderschutz, Kinder- und Jugendhilfe, Delinquenz, materielle Versorgung und Lebensbedingungen, Rechte und Partizipation).
Erwünscht sind Vorträge in folgenden Bereichen:
1. Kindheiten in Europa – Europäische Kindheiten: Welchen Einfluss haben Entscheidungen auf EU-Ebene auf die Lebensbedingungen von Kindern in den Ländern der EU? Sind Veränderungen von nationalen Kindheitsmustern beobachtbar, die auf eine Angleichung der Lebensbedingungen und Lebenswelten von Kindern in Europa schließen lassen? Können diese auf Regulierungen im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses zurückgeführt werden? (Etwa mit Blick auf Partizipation von Kindern in unterschiedlichen Handlungssphären wie etwa organisierte Bildung, Kunst, Wirtschaft/Konsum, Medien, (politische) Mitbestimmung etc.)
2. Kindheitspolitik in Europa – Europäische Kindheitspolitik: Welche für alle Mitgliedstaaten verbindlichen Regelungen haben sich in den letzten Jahren herauskristallisiert? Welchen Stellenwert, welche Reichweite hat Kinder- und Jugendpolitik im Rahmen der Europapolitik gewonnen? Auf welche Art und Weise und mit welcher Konsequenz setzten nationale Politiken kindbezogene Regulierungen und Entscheidungen der Europäischen Union um? Und umgekehrt: Wie fließen nationale Politiken in europäische Entscheidungen ein?
3. Kindheitssemantiken [-diskurse] in Europa – Europäische Kindheitssemantik: Welche Diskurse und Semantiken haben sich in den letzten Jahren sowohl auf europäischer wie auch auf nationaler Ebene in Bezug auf eine „gute Kindheit“ in der Europäischen Union herausgebildet? Wie wird gute Kindheit normativ gefasst, wie werden Bildungschancen, Schichtunterschiede, Partizipation, Kinderrechte, Gesundheit, Familie diskutiert und bewertet? Wie werden kulturelle Unterschiede in Bezug auf Kindheit und Familie gedeutet? Jedes Themengebiet kann sowohl aus einer historischen Perspektive bearbeitet werden wie auch als systematischer Vergleich oder Analyse aktueller Politiken angelegt sein.
Arbeitssprache: Englisch
Interessenten und Interessentinnen senden bitte ein Abstract postalisch oder per E-Mail bis zum 13.3.2009 an Dr. Johanna Mierendorff (Universität Trier, FB 1, 54286 Trier, mierendo@.uni-trier.de).
Weitere Details zur Konferenz sind in Kürze abrufbar unter: http://www.kindheitssoziologie.org/
Diese Veranstaltung wurde vom Sektionsvorstand in Zusammenarbeit mit Nicole Klinkhammer (DJI, München), Renate Kränzl-Nagl (Fachhochschule OÖ., Fakultät für Gesundheit und Soziales, Linz), Beatrice Hungerland (Fachhochschule Magdeburg-Stendhal) und Miriam Tag (Universität Bielefeld) konzipiert. Der Vorstand dankt dem Deutschen Jugendinstitut für die Unterstützung der Tagung.
19. Februar 2008
CFPs Soziologentag 2008 in Jena
I.
Call for Papers für die Nachmittagsveranstaltung der Sektionen „Soziologie der Kindheit“ und „Familiensoziologie“: Familienleben zwischen Norm und Vielfalt: Der Umgang von Eltern und Kindern mit innerfamilialen und gesellschaftlichen Herausforderungen
auf dem 34. Soziologiekongress der DGS „Unsichere Zeiten“. 4. - 10. Oktober 2008, Jena
In der Diskussion um Transformationsprozesse der Ökonomie und des Arbeitsmarktes steht die Altersgruppe, die im Berufsleben aktiv ist, im Fokus. Für Kinder, die quasi im Vorraum der Arbeitsgesellschaft gedacht werden, steht dagegen die Analyse in Begriffen gesellschaftlicher Transformation weitgehend aus; diese Analyse kann nur durch die gleichzeitige Thematisierung der Familie geleistet werden. In Politik und Öffentlichkeit sind das Wohlbefinden, die Lebenschancen und -bedingungen von Kindern und Familien zum Thema geworden. Die demografische Entwicklung, die Vielfalt und geringere Beständigkeit familialer Lebensformen spielen hier ebenso eine wesentliche Rolle wie die veränderten Anforderungen des Bildungssystems und Arbeitsmarktes sowohl an Eltern als an die nachwachsende Generation. Auch die Sozialpolitik setzt für Kindheit und Familien neue Akzente, ein Übergang zu einem Prinzip der Sozialinvestition ist zu konstatieren. Dabei geht es um frühe Förderung der Kinder, aber auch um das Abwenden
von Folgekosten für die Gesellschaft und um eine konsequente Ausgestaltung von Kindheit als Phase der Vorbereitung auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes. Für die Familien kann diese Neuorientierung u.U. eine Entlastung bedeuten, wenn etwa Institutionen der Früherziehung ausgebaut werden (sollen), es werden damit aber auch neue Anforderungen an sie gerichtet. Obwohl als Maximierung der Chancen gedacht, zieht diese Politik dennoch neue Exklusionsprozesse nach sich.
Familien verstehen sich und fungieren in vielen Bereichen als vermittelnde Instanz zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und persönlicher Entwicklung. Wie verändern gesellschaftliche Transformationen die Entstehung und Entwicklung von Familien und wie gehen Familien mit den gesellschaftlichen Anforderungen um? Familien eröffnen als Generationsverbund die Chance, durch Unterstützungsleistungen materieller und emotionaler Art Sicherheiten bereit zu stellen. Familien können aber auch mit dem Anspruch überfordert werden, die genannten Probleme aufzufangen, auch weil die Lösungen erfunden, und stets neu verhandelt werden müssen und immer weniger als bereitstehende Modelle übernommen
werden können. Inwieweit Eineltern-Familien oder multilokale Mehrgenerationenfamilien Möglichkeiten bieten, diese Problematik zu entschärfen, ist noch offen. Oder sind es Rückbezüge auf tradierte Familienstrukturen, die diese Funktion weiterhin übernehmen? Wie wirken sich die jeweils wahrgenommen gesellschaftlichen Anforderungen und Chancen auf Erziehung aus? Kann z.B. die Renaissance konservativer Erziehungsideale als Folge von Abstiegsängsten der Mittelschicht gesehen werden? Verwischen sich dagegen die Generationenunterschiede (Erwachsene-Kinder), wo mangels wahrgenommener Chancen keine Vorbereitung mehr auf gesellschaftliche Teilhabe erfolgt?
Themenbereiche:
• Transformation der Arbeitsgesellschaft und ihre Auswirkungen auf Eltern und Familien: Neue und alte Außenseitergruppen sowie Wege ins Abseits
• Work- life Balance von Müttern und Vätern
• Egalitäre Orientierung der Eltern und ihre Bedeutung für Kinder
• Familiale Lebensumstände und ihre unmittelbare und längerfristige Bedeutung für Kinder und das Eltern-Kind-Verhältnis. Gibt es geschlechtsspezifisch unterschiedliche Bewältigungsstrategien und Konsequenzen?
• Einfluss von Kindern auf die Elternbeziehung, die Gestaltung des Familienalltags und die Entwicklung
der Familie; Art der Aushandlungsprozesse
• Multilokale Familien: (zeitweiliges) Leben in unterschiedlichen Haushalten
• Kinder im Kontext intrafamilial verbundener Generationen: Bohnenstangenfamilie und „shared lives“
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Schicken Sie Ihr Vortragsangebot bitte bis zum 14. März 2008 per Email an:
- Doris Bühler-Niederberger buehler@uni-wuppertal.de
- Angelika Tölke toelke@dji.de
Bitte führen Sie in auf ca. 1 Seite die Fragestellung, deren methodische Bearbeitung (bei empirischen Studien auch Stichprobe und statistische Auswertungsverfahren) sowie erste Ergebnisse aus.
CfP Familienleben als PDF zum Download
II.
Call for Papers für die Nachmittagsveranstaltung der Sektion „Soziologie der Kindheit“: Ungleiche Kindheiten
auf dem 34. Soziologiekongress der DGS „Unsichere Zeiten“, 4.-10. Oktober 2008, Jena
In den letzten Jahren sind die Anteile der Kinder, die in Einkommensarmut aufwachsen, rasch gestiegen und dies nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Kinderarmutsstudien haben allerdings gezeigt, dass ökonomische Unterversorgung allein noch kein Indikator für das mangelnde „well-being“ von Kindern oder aber starke Deprivation ist: Die Lebenslagen von Kindern unter prekären familialen Einkommensbedingungen unterscheiden sich erheblich. Darüber hinaus haben diese Studien aber auch gezeigt, dass Kinder, die unter vergleichsweise besseren ökonomischen Bedingungen aufwachsen, ebenfalls hinsichtlich verschiedener Dimensionen von Lebensqualität und -chancen benachteiligt sein können. Soziale Ungleichheiten und Grenzen kultureller Teilhabe werden also in Prozessen festgelegt, die nicht nur durch das Einkommen gesteuert werden.
Gleichzeitig sind in den letzten Jahren die ideellen und materiellen Investitionen in Kinder gestiegen. Die Ausdehnung der frühkindlichen Bildung und Förderung und wachsendes reales oder politisch gefordertes Engagement von Eltern für die umfassende kindliche Förderung (z.B. Stichwort „intensive mothering“) sind ebenso zu nennen wie ein expandierender Markt an unterstützenden Angeboten. Die Kinderarmutsraten sind allerdings von solchen Investitionen bisher unberührt geblieben. Deutlich zeigt sich, dass die Inanspruchnahme solcher privaten und staatlichen Angebote und Institutionen nach
sozialer Schicht erheblich differiert. Solche Unterschiede haben zu der Formulierung „’making up‘ the middle-class child“ als Bezeichnung für entsprechende Bemühungen geführt, die damit als Ambitionen der Eltern zur Statusplatzierung des Nachwuchses interpretiert werden.
Es stellt sich nun die Frage, ob Kindheiten derzeit ungleicher werden und dies nicht allein nach ökonomischer Situation oder sozialer Schicht, sondern auch nach Familienformen, nach Regionen (Stadtkerne, Speckgürtel im Umland der Städte) und nach elterlichen Vorstellungen über das Aufwachsen der Kinder (als quasi-natürliches Heranwachsen oder als intensive und gezielte Förderung). Darüber hinaus stellt sich die Frage ob wohlfahrtsstaatlicher Regulierungen solche Ungleichheiten verstärken. Werden möglicherweise gerade durch Interventionen, die sich an spezifische Gruppen richten die bspw. als bildungsfern eingestuft werden, neue Ungleichheiten und Stigmatisierung geschaffen, anstatt die angestrebte Chancengleichheit zu erzielen? War es zumeist der Anspruch einer Sozialpolitik für Kinder, Kindheit stärker zu standardisieren, so scheint jetzt die gezielte Investition in benachteiligte Gruppen deren Außenseiterposition eher zu verstärken.
Solchen „neuen“ Disparitäten soll die geplante Veranstaltung nachgehen: auf der einen Seite dem Entstehen von extremen Gruppen Benachteiligter oder Geförderter sowie den Möglichkeiten und Grenzen der empirischen Erfassung solcher Ungleichheiten; auf der anderen Seite dem Ausmaß und der Art sozialpolitischer Reaktionen auf dieses Geschehen wie auch der Rückwirkung auf die gesellschaftliche Vorstellung „normaler Kindheit“ und generationaler Ordnung.
Weil es sich um ein Phänomen handeln dürfte, das forciert in Transformationsgesellschaften auftritt, werden auch Vorträge angestrebt aus Ländern Osteuropas, welche die Probleme der jeweiligen Länder vergleichend resp. aus osteuropäischer Sicht darstellen (englische Sprache möglich!).
Themenbereiche:
· Entstehen neuer Außenseitergruppen
· Indikatoren für die Erfassung neuer sozialer Ungleichheiten, Deprivation und „well-being“ im Kindesalter
· Relevanz der Bereitschaft, in Kinder zu investieren, und Arten der Investition
· Differierende Konzepte der Elternschaft und deren Konsequenzen für das Kindsein
· Die „intensive Förderung“ von Kindern – Modalitäten, Institutionen, Profit und Zumutungen
· Veränderungen resp. Stabilität von generationaler und gender-Ordnung in verschiedenen Gruppen
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Schicken Sie Ihr Vortragsangebot (Abstract von maximal einer Seite) bis zum 1. April an
Doris Bühler-Niederberger buehler@uni-wuppertal.de
Johanna Mierendorff johanna.mierendorff@paedagogik.uni-halle.de
7. November 2007
CFP: Joint Session of RC11 ‘Sociology of Ageing’ and RC53 ‘Sociology of Childhood Studies’
First ISA Forum of Sociology
“Sociological Research and Public Debate”
Barcelona, Spain
September 5 - 8, 2008
New forms of interaction between children and older adults in ageing societies
For a long time, the ‘Sociology of Ageing’ and the ‘Sociology of Childhood Studies’ appeared to be coming from contrasting, if not conflicting ends: public debate and policy discourse towards demographic change suggested growing intergenerational conflict over scarce resources between the younger and the older generations. This alleged ‘war of generations’ caught the attention and imagination of media and policymakers, particularly in the context of unprecedented wealth to be inherited from current pensioner generations coexisting with widespread child poverty, namely of those living with a lone parent or with many siblings.
In contrast to this common, but misleading public perception, this joint session will emphasise commonalities between children and older adults – and explore new ways of intergenerational interaction. Population ageing results in the emergence of a completely new quality of relationships between the younger and the older generations: Increasing longevity enables older people to spend much more time with their grandchildren in good health and to engage with them in new ways (e.g. new forms of leisure activities, jointly spent vacations) – a change from daily routines many children appreciate. Decreasing fertility makes (grand)children more precious – four, or in the new reality of patchwork-families, even more grandparents competing for the attention of a grandchild is becoming more common. On the other hand, the parent generation relies increasingly on grandparental childcare support to reconcile family and employment demands. Even traditional grandparent-grandchild interaction may change due to the availability of new means of communication. Furthermore, increasing childlessness or lack of frequent face-to-face interaction between grandparents and grandchildren due to long geographical distances may result in the development of new relationships between older adults and children outside the family. A growing number of NGO projects are trying to match older people with children coming from a lone parent household or children with an isolated older adult.
Papers addressing these or any related themes are invited. Presenters should aim to consider both the child’s and the older person’s perspective, or at least make an effort to accommodate the other side’s views, and/or discuss their reflection in policymaking or public debate. Abstracts with a maximum of 250 words concerning these or related themes are invited to be sent by email to:
Doris Bühler-Niederberger buehler@uni-wuppertal.de AND
Andreas Hoff andreas.hoff@ageing.ox.ac.uk
Abstracts MUST include:
• Name(s) and affiliation(s) of the author(s)
• Contact details of presenting author (postal address, telephone, fax + email)
• Title of the proposed presentation
Please send in the Paper until 30th of November.